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Fragen zum "Humboldt-Forum"-
Wiederaufbau Berliner Schloss?

Historie 1702-1707: Andreas Schlüter und der Münzturm

Der Schlossbau steht von 1698 bis 1709 unter organisatorischer Bauleitung von Andreas Schlüter; zugleich ist er von 1694 bis 1707 auch Direktor in der 1700 gestifteten „Societät der Wissenschaften“ im Gebäude des Marstalls (s. 1711 und Status einer “Akademie“).

Schlüter  erschließt neue Steinbrüche,
bestellt Werkstücke aus Sachsen,
steht dem Rechnungswesen vor,
beaufsichtigt eilige Akkordarbeit,
sucht geeignete Personen wie Drechsler, Bildhauer, Freskomaler aus anderen Städten,
prüft Glas- und Eisenlieferungen,
beaufsichtigt Vergolder und Stuckateure,
…und leitet u.a. seit 1705 auch den Umbau des Potsdamer Stadtschlosses.

An manchen Tagen macht er bis zu 30 Besuche bzgl. der Arbeiten, die nach seinen Tonmodellen und Zeichnungen (s. „Zeichenkammer“) zu Raumdekorationen oder maßstäblichen  Entwürfen in verschiedenen Werkstätten  entstehen sollen.

1702 entwirft er, n a c h Nehring, auf Wunsch des Königs einen fast 100 Meter hohen „Münz“- bzw. Glockenturm als städtebaulichen Akzent zur Umgebung des Schlosses.

Abbildung Schlossanlage und Münzturm

1704 folgt wegen der sich bereits ergebenen baulichen Schwierigkeiten mit Senkungen und Rissen ein 2. Entwurf für diesen Glockenturm
(s. Pfahlgründung und anhaltende Problematik in 1704-1706 auch für zwei Häuser der Refugierten  Mangin und Michau und ihrer Bewohner an der „Schloßfreiheit“).

Im Juli 1706 muss er die Entscheidung einer Sachverständigenkommission (s. Prof. Sturm aus Frankfurt/O.; Mathematiker und Lehrbuch-Archtitekt an der „Viadrina“) zum unumgänglichen Abbruch des Turmes nach dem 31. Juli 1706 hinnehmen.
…und Schlüter entwirft seine 3. Version für den Münz- bzw. Glockenturm.

Abbildung 2 Entwürfe für den Münzturm

Am 28. Jan. 1707 löst Joh. Friedrich Eosander offiziell den leitenden Oberbaumeister Schlüter in der Fortsetzung des Schlossbaus ab.
Unter Eosander wird die seit Sommer 1706 geplante Verdopplung der „Schlütersche Anlage“ an der Lustgartenseite fortgesetzt (von Eosander ist ebenfalls ein 100 Meter hoher Turm geplant).
Er lässt die Kalksteine des Münz- bzw. Glockenturms für die Erweiterung des Schlosses gen Westen verwenden, d.h. als Fundament des neuen Schlossflügels an der „Schloßfreiheit“
…mit der Göttin „Fortuna“, nach dem Entwurf Schlüters vom Goldschmied Haid in Kupfer getrieben, lässt Eosander  das „Schloss Lützenburg“ in Charlottenburg bekrönen.

1707 erhält Eosander auch die Schlüssel zur Zeichenkammer (zuvor Grünberg und Schlüter); erst im 2. Quartal erhält Eosander seine Bezüge rückwirkend ausbezahlt.

Terwesten und nicht Eosander oder de Bodt wird Nachfolger  von Andraes Schlüter an der „Societät der Wissenschaften“ (s. Ltg. Leibniz aus Hannover)

Mit königlichem Auftrag zeiht sich Schlüter nach Freienwalde zurück und bleibt bis 1713 als lediglich Hofbildhauer in königlichen Diensten besoldet…(hier werden - nach schweren Regenfällen - die veranlassten Erdbewegungen für das „königliche Lusthaus“ zum erneuten Fiasko für den Baumeister bzw. Hofbildhauer Schlüter).
…die Vollendung des Denkmals auf der Rathausbrücke - die Sklaven zu Füßen des Reiterstandbildes für den „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm v. Hohenzollern- geschieht o h n e  sein Zutun.

Am 25. Aug. 1707 unterzeichnet Schlüter als Kommissionsmitglied den Bericht zur Entschädigungssumme (etwa 8.000 Taler) für den refugierten Kfm. Louis Mangin bzgl. der Hausschäden an der „Schloßfreiheit“ beim Auf- und Rückbau des Münz-  bzw. Glockenturms bis 1708.
 
1708 verkauft er, nachdem er schon 1707 seinen Garten mit seiner Zuflucht, dem Gartenhaus, vor den Toren der Stadt  am Köpenicker Tor an der Spree veräußern wollte, sein Wohnhaus in der Brüdergasse (gekauft 1700 für 6.000 Taler) und bleibt darin bis 1713 als Mieter wohnhaft.

Letzte nachgewiesene Architekturwerke Schlüters sind das „Haus Kamecke“ (1711-1712)  Ernst Bogislaw v. Kamecke (ein Günstling des Königs) in der Dorotheenstadt sowie 1713 der Sarkophag für König Friedrich I. v. Hohenzollern.

Am „Haus Kamecke“ hat auch Schlüter mit Statik, Mechanik  und Baumaterialien (s. Eisenkonstruktionen im Bauwesen) experimentiert.
Der Figurenschmuck auf dem Dach ist z.B. nicht aus Sandstein, sondern erstmals aus Kunststein hergestellt worden (s. zu Süßner, Nahl und Dagly - und die Erfindung von harten und wetterfesten Gipssorten (Zement) für Werkstücke und Statuen, die wie Marmor poliert werden konnten)

Auch ein Andreas Schlüter (mind. 50 Jahre alt) verliert unter dem brandenburgischen Markgrafen und Kurfürsten, zugleich König Friedrich-Wilhelm I. v. Hohenzollern i n Preußenseine Besoldung als Hofbildhauer; er folgt über Sachsen und Polen dem Ruf von  Zar Peter Romanow nach St. Petersburg.
…Mitte des Jahres 1714 sei er in St. Petersburg gestorben.

P.S.
1713 war am Schloss - allerdings nur anonym - angeschlagen „dieses Schloss ist zu vermieten, und diese Residenz Berlin ist zu verkaufen“; dabei hinterließ Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg bzw. König Friedrich I. i n Preußen seinem Sohn, Friedrich-Wilhelm I. v. Hohenzollern, lediglich eine Schuldenlast von 20 Millionen Taler.

Und was ist mit Eosander? (geb. 23.8.1669 in Stralsund/Schwedisch Vorpommern als Johann Friedrich Nilsson Eosander)

Eltern: Nils Israel Eosander (Morgenroth) oo Gertrud Warnecke (gest. 1686 in Riga)
schwedischer Generalquartiermeister/Leutnant (ein Dienstposten im schwedischen Regiment)
ab 1685 „Ausbildung“ im schwedischen Riga
…in Stettin als Festungskondukteur in schwedischen  Diensten 
  1702 Baudirektor in Berlin und am Schloss Lützenburg/Charlottenburg, Oranienburg u. Monbijou bis 1713 (bzw. nach Arbeit zur Krönungsfeier in Königsberg)
  vh 1713 in Berlin Maria Charlotte Merian (1691-1753; T. d. preuß. Geh. Amtskammerraths und Baurechnungsrevisor Carl Gustav Merian (Bruder des Mattäus v. Merian)
1713 in schwedischen Diensten unter König Karl XII. als Generalquartiermeister/Generalmajor (s. nach 1713 schwedischer Freiherr-Titel Göthe; k e i n e s w e g s  Eosander v. Göthe.
1715 in preußischer Gefangenschaft;
1716 in Festung Spandau und dann Frankfurt/M. (s. sein Buch „Der geübte Soldat“; erschienen 1744)
1722 Gen.Leutnant in kursächsische Dienste
1724-1726 Bau des Schlösschen Uebigau b. Dresden für „Gf. Flemming“
gest. 22.5.1728 in Dresden